Was unterscheidet eigentlich Webkataloge und Artikelverzeichnisse voneinander? Diese Frage möchte ich hier etwas beleuchten. Und zwar deshalb, weil die landläufige Meinung vorherrscht, dass Artikelverzeichnisse sinnvoll für Linkbuilding einsetzbar sind, Webkataloge dagegen mit großer Vorsicht zu genießen seien. Wie man Fehler beim Eintrag sowohl in AVs als auch in Webkataloge vermeiden kann, um positive Ranking-Effekte aus beiden Welten bestmöglich zu nutzen, soll dem Leser am Ende dieser Artikelreihe klar sein.Webkataloge sind eine sehr alte Website-Gattung. Sie stammen direkt von den Linklisten der grauen Internetvorzeit ab, bevor der Pagerank-Algorithmus von Google erfunden wurde und die Suchmaschinen folglich nur Mist ausspuckten. Ihren Ursprüngen folgend sind viele Webkataloge regelrecht stehen geblieben: sie erlauben nur kurze Beschreibungstexte und verlinken häufig sehr viele Websites von einer einzigen Übersichtsseite.

Viel später, so ungefähr in 2004, kamen die Artikelverzeichnisse auf. Statt einfach nur „Linklisten“ zu sein, enthalten sie Artikel, die von den Websitebetreibern oder deren Marketing-Schergen aus der Not heraus verfasst werden, ihre Links in irgend einen Content einbinden zu müssen. Artikelverzeichnisse sind eigentlich schon sehr nah am Konzept der Weblogs, wobei an AVs viele Autoren beteiligt sind, deren Beiträge, Posts oder Artikel vom Betreiber des AVs freigeschaltet werden.

Die gravierendsten Unterschiede zwischen Webkatalog und Artikelverzeichnis sind, dass in AVs in jedem Artikel mehrere Links gesetzt werden und diese aus dem „Content“ (im Sinne von Freitext) kommen können.

Unbeachtet für die Unterscheidung zwischen Webkatalog und Artikelverzeichnis bleiben dagegen wesentliche Qualitätsmerkmale zum Beispiel aus Sicht der Suchmaschinenoptimierung (SEO) oder Usability. So kümmert man sich bei der Unterscheidung nicht sehr darum, wie die interne Verlinkung oder die sonstige Aufbereitung des Content aussieht.

Um die Qualität der beiden Website-Gattungen für den Einsatz im Linkbuilding zu beurteilen, werden vor allem weiche Argumente herangezogen, wie zum Beispiel:

  1. In Content eingebettete Links wirken in jeder Hinsicht natürlicher, weshalb sie von Google & Co besser akzeptiert werden und damit das Ranking stärker beeinflussen.
  2. Webkataloge benutzt niemand wirklich, denn heute ist die Qualität der Suchmaschinen gut genug. Deshalb sind Webkataloge nur für Webmaster und SEOs (wenn überhaupt) noch interessant.

Die erste These: Content-Links sind besser

Diese resultiert aus der Überlegung heraus, dass ein Link durch seine nähe zu relevantem Content einen thematischen Context transportiert. Als Beispiel sei ein Link mit dem Linktext „Kartoffel“ innerhalb eines Kochrezeptes genannt. In solch einem Fall nimmt der gemeine SEO an, dass der über diesen Link übertragene Ranking-Vorteil wegen des Themenbezugs (bzw. der Themenrelevanz) besonders hoch ist.

Es ist möglich, dass solche Effekte sogar in der Anfangszeit der Artikelverzeichnisse wirklich nachgewiesen werden konnten. Doch es ist auch anzunehmen, dass infolge von Artikel-Spinning und Artikel-Spamming dieser Vorteil inzwischen stark relativiert bis nichtig ist. Denn inzwischen gehört es unbedingt zum professionellen Linkbuilding dazu, Artikelverzeichnisse massenhaft zu verwenden, um mit geringwertigen und sinnmäßig absolut gleichwerigen Texten massenhaft Links zu beschaffen.

Ein Gegenargument für den besonderen Wert von Content-Links kann auch sein, dass insbesondere in Fachartikeln häufig die Links nicht direkt im Content gesetzt sind, sondern sie mit Fußnoten referenziert und am Ende aufgelistet sind. Als Beispiel sind auch Wikipedia-Artikel zu nennen – wohlwissend, dass die Wikipedia ohnehin nicht viel von Ihrer Inhaltskontrolle hält und alle (ausnahmslos alle!) externen Links dort durch rel=“nofollow“ entwertet sind.

Die zweite These: Niemand nutzt Webkataloge wirklich

Diese These ist sehr indifferent: woher beziehen die meisten Websites heute den Großteil ihre Besucher? Von den Suchmaschinen. Darin unterscheiden sich Webkataloge und Artikelverzeichnisse nicht von anderen Websites. Wenn nun ein Besucher von einer Suchmaschine zu einem Webkatalog kommt, erhält er dort in der Regel eine Liste von weiteren Websites, so dass er von dort optimalerweise zu einer Website findet, die ihm konkret weiterhilft.

Ähnliches gilt, wenn ein User von einer Suchmaschine zu einem Artikelverzeichnis kommt. Er findet dort zwar zunächst einen Artikel oder eine Liste von Artikeln. Doch dieser Artikel ist zu Marketing-Zwecken erstellt worden und hat nur ein Ziel: einen Link unter Zuhilfenahme eines bestimmten Linktextes zu platzieren, um hierdurch das Ranking einer bestimmten Webseite zu optimieren. Pro Artikel findet ein User in diesem Moment also normalerweise Trivialcontent und einen (ggf. mal zwei oder drei) Links. Die Links sind allerdings alle von einer Person für einen ganz bestimmten Eigenzweck gesetzt worden. Ich denke, es wird klar, worauf ich hinaus will: Artikelverzeichnisse haben zumindest das Potenzial, für zufällige Besucher weniger nützlich zu sein, als ein gut sortierter Webkatalog.

Wenn es also eigentlich gar nicht mehr so klar ist, dass Artikelverzeichnisse von den Suchmaschinen grundsätzlich besser akzeptiert sein müssten, als die vielverachteten Webkataloge, woher kommt es dann, dass die SEO-Community fast einhellig die Existenzberechtigung der Webkataloge verneint und den Nutzen von Webkataloglinks gegen null rechnet, was ja auch zu einem Teil auf objektiven Beobachtungen basieren sollte? Dazu muss man den Umgang der meisten Suchmaschinenoptimierer mit den beiden Gattungen anschauen, was ich in einem der nächsten Posts tun werde.

Tobi Continued 😉