Dieser Artikel richtet sich vorrangig an unsere Leser aus Deutschland, denen der Name “Ricardo” vielleicht nicht mehr so geläufig ist. Dabei handelt es sich um eine sehr spannende Firmengeschichte aus den Anfängen des kommerziellen Internets.

Das Internet-Auktionshaus Ricardo.de startete im Jahr 1998 mit seinen Plattformen in Deutschland. Das Geschäft bestand, anders als bei anderen Auktionshäusern, aus einem Mix aus Entertainment, Marketing und Schnäppchenauktionen. Der private Handel in Form von Online-Auktionen war ein etwas nachrangigerer Teil des Geschäftsmodells. Mit diesem Angebot, das seiner Zeit noch neu war, wurde Ricardo in der Aufbruchstimmung der New Economy in Deutschland schnell bekannt. Es notierte seit 1999 am Neuen Markt, dem NASDAQ-Equivalent der Deutschen Börse.

Auf zu neuen Märkten

Im Jahr 2000 übernahm die Qxl Ricardo Gruppe (QxlRicardo plc) aus Großbritanien einen Großteil des Unternehmens. Kurze Zeit später, im Jahr 2001 wurde das Kerngeschäft auf das Marktplatz-Angebot ausgerichtet, die profitabelste Sparte. Zu dieser Zeit gab es ein Aufblühen der großen Marktplätze: eBay und Amazon stellten sich in Deutschland auf, um den Markt zu beherrschen. Dieses Wettrennen verlor Ricardo.de in Deutschland, spielt leider keine allzu große Rolle mehr. Doch das ist nicht das Ende der Ricardo-Geschichte.

Die Ricardo Gruppe ist eines der wenigen noch immer erfolgreichen Internet-Startups aus der Zeit vor der Dotcom-Blase. Dieser Erfolg ist einer intakten Geschäftspolitik geschuldet. Denn die Unternehmensgruppe agiert international und weiß, wie die Märkte funktionieren. In der Schweiz ging die Plattform Ricardo.ch aus dem Auktionshaus Auktion24.ch hervor. In Norwegen und Dänemark, Polen und Griechenland werden ebenfalls Plattformen betrieben, die dort teilweise Marktführer für Auktionen oder Kleinanzeigen sein sollen.

Ricardo heute: Kleinanzeigen, Gebrauchtwagen & Preisvergleiche

Ein schönes Beispiel für das Angebot der Ricardo Gruppe ist das bei BeamMachine gelistete Auto-Portal http://auto.ricardo.ch, auf dem hauptsächlich Gebrauchtwagen (auf Schwiizerdütsch “Occasion Autos”) gehandelt werden. Ähnlich sind viele Portale der Ricardo Gruppe, so zum Beispiel qxl.no, qxl.dk oder ricardo.gr, aufgebaut. Das Unternehmen vergrößert seine Reichweite in der Schweiz auch durch Marktplätze wie shops.ch und ricardolino.ch.