(Autor: Tobias Sasse)

Bei Bildern im Internet drehen sich die Gedanken meist um Blogs und Facebook-Posts, wo privat geknippste Bilder einfach dazu gehören. Sie sorgen für Unterhaltungswert, dadurch werden solche Plattformen für die meisten User erst interessant.

Auch im Online-Marketing sind Bilder nicht wegzudenken. Farbenfrohe Fotos von Produkten und vom Service-Team bauen die Distanz des Internets ab. Die Besucher von Websites, die mit gut gemachten Fotos und Grafiken auch das Auge verwöhnen, sind erfolgreicher. Diverse Studien weisen darauf hin, dass durch Fotos und Videos die Nutzerzufriedenheit gesteigert wird.

Wer seinem Umsatz über das Internet einen Schub verleihen möchte, sollte sich also etwas Zeit zur Optimierung seiner Bilder nehmen. Anhand der kostenlosen Fotobearbeitungssoftware GIMP möchte ich ein paar Tipps geben, wie man mit relativ einfachen Mitteln mehr aus Schnappschüssen und auch aus eigentlich ganz guten Fotos herauskitzeln kann.

Die gleichen Hilfsmittel besitzt übrigens auch Photoshop, aber wer zahlt schon gerne viel Geld für eine Software, wenn es für denselben Zweck eine Freeware gibt. Insbesondere wenn die Photoshop-Lizenz mit Einführung der Creative Cloud nur noch als Abo erhältlich ist.

Farben und Kontrast

Die Farben hängen in der Fotografie sehr von den Lichtverhältnissen ab. Es ist fast die Regel, dass ein Foto unter Realbedingungen – gerade wenn kein Profistudio für die Aufnahme verfügbar ist – immer einen falschen Farbstich aufweißt.

Man erkennt solchen Farbstich in den reinen Weiß- und Grautönen, die dann oft einen leichten Rot-, Blau- oder Grünstich aufweisen. Dennoch sind solche Fotos gut zu gebrauchen, denn die Farben lassen sich mit GIMP korrigieren. Die Lösung des Problems findet man im Menü “Farben”, wo sich gleich drei Tools zum einfachen Ändern der Farben befinden:

  • Farbabgleich
  • Farbton / Sättigung
  • Einfärben

All diese Farben-Tools wirken auf die aktive (ausgewählte) Ebene. Sollte also ein ganze Bild mit all seinen Ebenen farbliche Korrektur benötigen, muss es zuerst auf eine Ebene reduziert werden (Optionen im Menü: Bild>>“Bild zusammenfügen” oder Ebenen>>“nach unten vereinen”).

Der Farbabgleich korrigiert den Farbstich. Man kann die Schatten, Mitten oder Glanzlichter (Highlights) getrennt korrigieren und bekommt eine Live-Vorschau in Echtzeit.

Farbton/Sättigung kann verwendet werden, wenn ein Farbton zu schwach oder zu intensiv, zu hell oder zu dunkel oder farbstichig wirkt. Dort wird nicht wie beim Farbabgleich nach Schatten, Mitten und Glanzlichtern unterschieden, sondern nach Farbkomponente (RGBYMC), es wirkt dann auf die jeweilige Komponente. Man kann das Tool auch auf alle Farbkomponenten anwenden (default).

Einfärben ist das handlichste der drei Farbtools. Dieses intelligente Werkzeug lässt über drei einfache Schieberegler die gesamte Ebene in Farbton, Helligkeit und Sättigung ändern. Es entsteht ein spannender Pop-Art-Effekt, kann aber auch gut verwendet werden, wenn ein Produktfoto nur in einer Farbe vorliegt, man jedoch mehrere Farben des Produktes zum Beispiel im Onlineshop präsentieren möchte.

Schärfen und Weichzeichnen

Schärfen ist eine Softwaremethode, von dem man in der Produktfotografie wohl abraten muss. Ein unscharfes Produktfoto enthält rein aus informatischer Sicht nicht die Informationen, um daraus ein scharfes Foto zu machen. Schärft man ein Bild, dann muss das Programm raten, welche Kanten eigentlich scharf wären und welche tatsächlich unscharf sind. Das Ergebnis dieser Schätzung wird immer schlechter, je stärker man ein Foto schärft. Wo einem GIMP-User schlechte Farben dank der oben erwähnten Verfahren verziehen werden, ist Unschärfe ein echtes No-Go. Da hilft nur, gleich beim Fotografieren mit Stativ und ausreichend Licht für gestochen scharfe Produktfotos zu sorgen.

Weichzeichnen dagegen ist ein wirklich wichtiges Feature. Es wird eingesetzt, um dezente Makel von Oberflächen, zum Beispiel leichte Strukturen, zu entfernen. In der Portraitfotografie und Werbefotografie sind Weichzeichner da, um die Haut der Modelle und Models zu glätten – der Weichzeichner das Clearasil der Fotografen!

In der Produktfotografie kann man mit gezielt eingesetzten Weichzeichnern wie dem Gaußschen Weichzeichner (engl. Gaussian Blur) den Oberflächen den letzten Schliff verpassen. Der Mathematiker Gauß ist vor allem durch die Glockenkurve bekannt. Nichts anderes macht der Weichzeichner: er vermischt jedes Pixel im weichgezeichneten Bereich mit seinen Nachbarpixeln nach einer Gauß’schen Normalverteilung. Das ergibt einen sehr schönen, natürlichen und weichen Verlauf.

Falls sich auf den Oberflächen grobe Fehler (Schmutz, Defekte) befinden, sollten diese zuvor per Hand übermalt werden. Dafür bietet sich in GIMP das Klon-Werkzeug (Stempel) an, mit dem Stellen mit dem Inhalt benachbarter Flächen übermalt werden.

Freistellen

Freistellen ist die Technik, um ein Objekt aus seiner Umgebung herauszulösen. Jeder kennt Produktfotos auf makellos weißem Hintergrund mit einem weichen Schatten oder einer eleganten Spiegelung darunter. Solche Effekte werden nachträglich durch Bildbearbeitung erstellt – durch Freistellung. Wie man unterschiedliche Bilder freistellen kann, zeigt ein Video auf der Website Freistellen.de.

Der Aufwand des Freistellens hängt von der Vorlage – dem freizustellenden Objekt – ab. Objekte mit einfachen Kanten und Konturen sind sehr schnell freigestellt. Filigrane Objekte und Personen dagegen lassen sich manchmal nur mit etwas Aufwand und Mühe freistellen.

Vier Werkzeuge helfen beim Freistellen:

    • Alphakanal
    • Ebenenmaske (“Freisteller”)
    • Auswahl-Werkzeug
    • Pfade

 

Die GIMP-Tools zum Freistellen

Der Alphakanal kann für jede Ebene aktiviert werden. Die Hintergrundebene hat in der Voreinstellung keinen Alphakanal. Um ihn zu aktivieren, genügt ein Rechtsklick auf die Ebene und Auswahl von “Alphakanal aktivieren”. Danach kann man Teile eines Bildes durch einfachen Druck der Entfernen-Taste auf der Tastatur löschen oder mit dem Radiertool wegradieren. Die unteren Ebenen scheinen dann hindurch. Durch Radieren ist das auch halbtransparent möglich. Die Originaldaten der Ebene werden hierbei verändert, der gelöschte Teil der Ebene ist also wirklich entfernt.

Deutlich flexibler ist die Transparenz mit Ebenenmasken. Sie wird wiederum per Rechtsklick über das Contextmenü der jeweiligen Ebene aktiviert. Jede Ebene kann eine eigene Ebenenmaske besitzen. Die Ebenenmaske definiert für jedes Pixel der Ebene, wie transparent es ist. Sie ist eines der wichtigsten Werkzeuge in allen Lebenslagen des GIMP-Künstlers, denn mit ihr lassen sich zum Beispiel Spiegeleffekte sehr weich einblenden oder Objekte freistellen, ohne dass man die Originaldaten der Ebene zerstört. Dazu klickt man in GIMP auch wieder mit rechts auf die Ebene und wählt “Ebenenmaske hinzufügen…”. Die Ebenenmaske kann man sich vorstellen wie ein Graustufenbild. Jedes Weiße Pixel ist deckend (0% Transparenz), jedes schwarze Pixel 100% transparent. Die Graustufen dazwischen bestimmen den Transparenzgrad jedes Pixels.

Um Teile der Bildebenen zu bearbeiten, wird ja meist das Auswahlwerkzeug (oder besser: eines der Auswahlwerkzeuge) genommen. Ob man nun per Rechteckauswahl oder mit Freiformen arbeitet, hängt vom Zweck ab. Wichtig beim Freistellen ist vor allem, die Transparenz richtig zu nutzen. Dazu gehört es auch, bei “Freie Auswahl” oder “Elliptische Auswahl” die Option “Kanten glätten” zu aktivieren, was bei GIMP die Voreinstellung ist. Denn dadurch werden die Transparenten Bereiche weich entfernt, es entstehen beim Freistellen keine Stufen.

Pfade in GIMP zum Freistellen verwenden

Eleganter (und mit etwas Aufwand verbunden) geht es letztendlich mit Pfaden. Pfade sind Vektorgrafiken, die aus Punkten und Verbindungslinien bestehen. Der Vorteil von Pfaden liegt darin, dass sie sich leicht an geschwungene Formen anschmiegen und anpassen lassen. Man kann mit Pfaden also relativ leicht komplexe Konturen nachzeichnen. In GIMP gibt es (wieder per Rechtsklick auf Pfaden und Auswahlen) die Möglichkeit, Auswahl nach Pfad oder Pfad nach Auswahl zu konvertieren, so dass Pfade dabei helfen können, komplexe Formen auszuwählen und danach freizustellen.

Pfade haben alle Vorteile (und natürlich Nachteile) von Vektorgrafiken. Vor allem sind Pfade verlustfrei skalierbar: egal wie groß oder klein man einen Pfad macht, er bleibt immer gestochen Scharf. Denn Pfade sind Unabhängig vom Pixel-Raster der unterliegenden Grafik-Ebenen.

Schon dieser Abschnitt zeigt, wie aufwendig und mit Knowhow verbunden das Freistellen ist, weshalb sich etliche Firmen auf Dienstleistungen rund um das Freistellen und Aufbereiten von Produktfotos spezialisiert haben. Folgende Links bieten weitere Infos, den GIMP-Download und stellen Dienstleister vor.

Referenzen

GIMP – das GNU Image Manipulation Programm
Video und Freistell-Infos von 3W FUTURE (hier bei BeamMachine)
Thema Freistellen bei BeamMachine