Wenn in den Medien, in Ratgebern und Blogs über Datenschutz und die Privatsphäre bei Facebook berichtet wird, dann dreht es sich in der Regel um die Privatsphäre-Einstellungen des Nutzerkontos. Welche Daten öffentlich sichtbar sind, bzw. wie öffentlich diese Daten sind, kann jeder Nutzer im Profil mit mit schier unzähligen Schalterchen haarklein selbst bestimmen. Am Anfang ist alles öffentlich… man kann sich bei Facebook allerdings bis zur virtuellen Unkenntlichkeit ausblenden.

Was viele nicht wissen

Woran leider niemand mehr denkt, nachdem er sich durch die Facebook-Optionen gewühlt und anschließend sein eben erworbenes praktisches Wissen in die Welt als „Profitipp“ hinausposaunt, ist, dass Facebook noch immer freien Zugriff auf diese Informationen hat. Daten sind bei Facebook nicht geschützt, nur weil man sie für Mitmenschen ausblendet.

Ein praktisches Beispiel. Mein Facebook-Profil hat wenige Freunde, denn ich halte nicht viel davon, mein soziales Netzwerk in US-amerikanischen Datenbanken abzubilden. Dieser Umstand wurmt Facebook, sie schlagen daher ständig potenzielle Freunde vor, damit ich sie zu meinen Kontakten hinzufüge. Ein solcher Vorschlag hat mich zum Grübeln gebracht: Facebook schlug mir einen Handwerker vor, mit dem ich nichts gemein habe, außer einem Auftrag, der nur wenige Tage vorher erteilt wurde.

Wie kam Facebook nun auf die Idee, dass ich ausgerechnet diesen Menschen kennen müsse? Es gibt nur eine einzige Antwort. Facebook muss die privaten Nachrichten des Handwerkers semantisch ausgewertet haben, die Bedeutung der fremden privaten Botschaft versteckt in mein Profil integriert haben.

Wohlgemerkt, ich stand nie mit ihm über Facebook in Kontakt und wusste nicht einmal, dass er dort aktiv ist. Auch habe ich keine gemeinsamen Kontakte mit ihm, so dass nur das facebookseitige Ausspionieren der privaten Nachrichten in Frage kommt. Nur so kann Facebook die Verbindung zwischen uns hergestellt haben. Der Handwerker  hat bei Facebook seinen gesamten Familien- und Freundeskreis versammelt. Er wird also vermutlich in einer persönlichen Nachricht an einen Freund oder die Familie über seinen Auftrag bei mir geschrieben haben, sei es über das voraussichtliche Ende der Arbeiten oder um über mich herzuziehen. Denn ich bin ein lästiger Auftraggeber, wenn ein Pfuscher an mich gerät 😉

Und die Moral von der Geschicht…

Was ist nun die Erkenntnis daraus? Facebook nutzt nicht nur die Daten, die man ausdrücklich als Profildaten angibt. Der Wissensdurst von Facebook ist auch nicht auf Bewegungsdaten, Likes und Shares eingeschränkt. Sondern Facebook geht so weit, selbst die persönlichen Nachrichten anderer detailliert zu analysieren und in die Profile einfließen zu lassen. Sie stellen Verbindungen zwischen Personen anhand der Erwähnung in vertraulichen persönlichen Gesprächen her.

Man sollte davon ausgehen, dass sie auch die Art der Beziehung feststellen – also wissen, wer wessen Chef ist, zu welchen Zeiten man mit wem zusammen ist, welche erotischen Beziehungen man pflegt und welche Vorlieben und Abneigungen (in jeder Hinsicht) man hat. Wohl gemerkt, anhand persönlicher Nachrichten, und nicht, weil man es mit Likes, Shares oder Profilfeldern halbwegs bewusst mitgeteilt hat.

Und die Erkenntnist geht weiter: Facebook nutzt diese persönlichen und vertraulichen Informationen so ungeschickt, dass ich nun über den betreffenden Handwerker weiß, dass er bei Facebook mit anderen über mich geredet hat, meine ungefähre Anschrift mitgeteilt hat, dass er überhaupt dort ein Profil hat (unter falschem Namen, ich hätte ihn nie gesucht geschweige denn gefunden!), wer seine Familie und Freunde sind und so einiges mehr.

Ob er das geahnt hat und es sich nicht lieber verkniffen hätte, als er mich in einer persönlichen Nachricht bei Facebook erwähnte?