Die Reporter ohne Grenzen bringen jährlich eine Rangliste der Länder heraus, die nach der Situation der Journalisten und Blogger sortiert ist. Angeführt wird die diesjährige Liste von Finnland, den Niederlanden, Norwegen und Luxemburg. Deutschland ist auf Platz 17 herabgestuft worden, was vor allem dem Sterben einiger Redaktionen im vergangenen Jahr geschuldet ist. Zudem hätte sich die Gewalt radikaler Gruppen gegen Journalisten verstärkt. Alles in allem gilt Deutschland allerdings dennoch – wie sehr viele Demokratien – als unproblematisch. 

Aus unserer Sicht, als reines Internetmedium mit dem Anspruch, neutral und „selbstdenkend“ Situationen zu kommentieren, bietet sich dennoch ein bedenkliches Bild. Bei der Recherche für diesen Artikel auf der Website der Reporter ohne Grenzen sind aktuell (30.01.2013, 08:45) keine Informationen über die Entstehung, also die Gründe, der aktuell in der Welt und in einigen großen Medien breitgetretenen Liste zu finden. Man findet lediglich die Erklärungen und Listen der vergangenen Jahre (bis 2011).

Ohne die Aufrichtigkeit und Wichtigkeit der Organisation Reporter ohne Grenzen und der Medien anzuzweifeln, entsteht doch der Eindruck, dass selbst die Forderung nach freiem Journalismus nicht zwangsläufig auch freie Information und Transparenz bedeutet. Hier scheint auch in Pressekreisen das Motto Manus manum lavat zu zählen. Wir haben den Link zum Artikel vorab Recherchiert, damit sich jeder sein eigenes Bild machen kann: http://www.reporter-ohne-grenzen.de/ranglisten/rangliste-2012/

Besonders interessant ist für ein werbefinanziertes Internetprojekt wie unseres, dass die zunehmende getarnte Werbung in der Presse beklagt wird. Angesichts höheren Zeitdrucks auf Journalisten würde die Kontrolle der Informationen vernachlässigt und vermehrt auf fertige Texte zurückgegriffen. Doch das ist nur ein Aspekt. Nicht hervorgehoben wird, dass es im ganz regelmäßigen Tagesgeschäft in Zeitungen sehr oft vorkommt, dass Werbeanzeigen exakt im Stil eines Zeitungsartikels veröffentlicht werden. Ganze Seiten werden mit Werbung gefüllt, die sich für den normalen Leser wie redaktionelle Artikel lesen. Dem Gesetz wird dabei durch einen kleine Hinweis „Anzeige“ in einer Ecke genüge getan, der leicht übersehen wird.

Die Situation für freie Berichtserstattung ist in einem zelebrierten Kapitalismus nicht leicht. Es geht darum, Geld zu verdienen, um weitermachen zu können. Der Staat versucht seiner Pflicht zur Gewährleistung freier Information durch ein eigenes Angebot nachzukommen, die GeZ finanziert dieses Ziel. Zeitungen und Journalisten haben davon nichts, sondern müssen in der freien Wirtschaft noch zusätzliche mit den subventionierten öffentlich-rechtlichen Angeboten konkurrieren, was es nicht leichter macht. Der neueste Jahresbericht der Reporter ohne Grenzen  benennt dieses Dilemma nicht, sondern beurteilt die deutsche Pressefreiheit allein anhand der äußeren Einschränkungen und Repressionen, und nicht nach der fehlenden Förderung! So wird die Situation nicht verbessert und die deutsche Pressefreiheit vermutlich in den nächsten Jahren weiter schwinden.

Ob die Frage erlaubt ist, welche Existenzberechtigung eine Presse noch hat, die selbst über dieses Thema nur mehr im Stile einer Sportberichterstattung schreibt? „Platz 17 für Deutschland!“ lautet nur eine dieser reißerischen Überschriften, viele andere klingen ähnlich. Und das ist nicht irgend ein Blogger, sondern das sind die großen Tageszeitungen, Online-Redaktionen und öffentlich-rechtliche Radiostationen.

Unter 179 Staaten ist Platz 17 (im Vorjahr noch 16) ein durchaus positives Ergebnis. Ein paar andere Ergebnisse von 2013, mit denen wir alle etwas anfangen können:

14. Schweiz
16. Tschechien
32. USA
37. Frankreich
53. Japan
84. Griechenland
154. Türkei